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27. Mai 2011

Steigendes Risiko durch Naturereignisse


10.05.2006 (GN)

Forstwirtschaft Waldbesitzer suchen nach alternativen Absatzwegen und Einnahmequellen

2006_NaturereignisseDerzeit besteht eine hohe Nachfrage nach dem Rohstoff Holz. Doch Naturereignisse können ganze Wälder vernichten. Experten erwarten künftig durchschnittlich alle fünf Jahre ein außergewöhnliches Wettereignis. Waldbesitzer wie der Fürst zu Bentheim und Steinfurt müssen nach Alternativen suchen.

Von Daniel Klause

Burgsteinfurt – Wer in diesen Tagen in Bad Bentheim oder in Burgsteinfurt einen Waldspaziergang macht, der wird an vielen Stellen sorgfältig aufgeschichtete Brennholzstapel stehen sehen. "Zurzeit wird jeder Knüppel eingesammelt", sagt Heinrich von Brockhausen, Leiter des Fürst zu Bentheimschen Forstamts. Die wegen der hohen Energiepreise stark gestiegene Nachfrage nach Brennholz ist ein kleiner Trost für die Ausfälle durch den Wintereinbruch Ende November. Vor allem die jüngeren Laubbäume im Alter von um die 40 Jahre waren unter der Schneelast wie Streichhölzer abgeknickt.

"Die Risiken sind heute wesentlich höher als zu Beginn des vorigen Jahrhunderts", sagt von Brockhausen, der bei seinem Handeln stets in der zeitlichen Dimension mehrerer Generationen denken muss. Eine Eiche muss 150 bis 180 Jahre alt werden, bis sie die optimale Größe und den besten Preis erreicht hat. Das gelingt im Durchschnitt nur etwa 150 von 7000 Bäumen, die pro Hektar geplanzt werden. Die anderen Bäume bleiben während des langen Zeitraums vom Pflanzen bis zur Reife aus den unterschiedlichsten Gründen auf der Strecke: Weil sie nicht gerade genug wachsen oder sich der Stamm zu früh teilt, weil sie Schädlingen, Trockenheit, Blitzschlag oder eben einem Wintereinbruch zum Opfer fallen. "Während früher nach dem Kahlschlag-Prinzip gewirtschaftet worden ist, verfolgen wir heute weitgehend das Prinzip des Dauerwalds, bei dem nur einzelne Bäume herausgenommen werden", erläutert von Brockhausen.

Eiche, Esche, Ahorn, Kirsche und Erle sowie Kiefer, Fichte, Lerche, Duglasie und Strobe sind begehrt als Bau- und Kanthölzer, für Paletten und als Zellulose für die Papierherstellung. Lediglich die Preise für Buche sind gesunken. Um die Rentabilität der 3200 Hektar Wald in der Grafschaft und der jeweils etwa 900 Hektar im Kreis Steinfurt und in Schwäbisch Hall zu erhöhen, hat von Brockhausen seit einiger Zeit einen neuen Abnehmer gefunden. Vor allem Tannen- und Fichtenholz bester Qualität werden seit einigen Monaten nach Polen verkauft, um dort zu Särgen weiterverarbeitet zu werden. "Die Särge werden nach Italien weiterverkauft, wo man besonders hohe Qualität haben will", berichtet der Forstamtsleiter. Daneben gewinne der Vertragsnaturschutz für die Forstwirtschaft immer mehr an Bedeutung. "Privatisierung von Naturschutzleistungen" nennt von Brockhausen das Prinzip. Dahinter steckt die Idee, dass private Investoren selbst nach Ausgleichsflächen für bauliche Eingriffe in Natur und Landschaft suchen.

In Burgsteinfurt verfährt die Volksbank nach diesem Prinzip. Im Gegenzug für den Flächenverbrauch durch ein von der Bank vermarktetes neues Baugebiet wird im Naherholungsgebiet Bagno ein Fichtenwald abgeholzt und mit Erlen wieder aufgeforstet. Das bringt Pluspunkte in der Ökobilanz – zumal gleichzeitig ein Feuchtgebiet erhalten bleibt. Auf einer 1,3 Hektar großen Fläche östlich von Burgsteinfurt sind Fichten gerodet und dafür 3000 Hainbuchen und Stieleichen und am Rand Heckengehölze gepflanzt worden. Auch diese Aufwertung in der Ökobilanz lässt sich der Waldbesitzer vergüten.

Ähnlich wie mit der Volksbank in Steinfurt funktioniert die Zusammenarbeit zwischen dem Fürstlichen Forstamt und der Grafschafter Naturschutzstiftung. Für von Brockhausen ist die Stiftung damit ein aktiver Bestandteil der Wirtschaftsförderung, denn die Stiftung kauft Flächen, die bei Bedarf ökologisch aufgewertet werden. Plant ein Unternehmer eine Betriebserweiterung, muss er nicht selbst nach Ausgleichsflächen suchen, weil die Stiftung ausreichend vorhält. Für Waldbesitzer lohnt sich die Zusammenarbeit, weil regelmäßig Geld gezahlt wird, das das Risiko des Holzanbaus abmildert, denn mit staatlichen Subventionen können die Waldbauern nicht rechnen.

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