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27. Mai 2011

Frühjahrsputz in der Vechteaue

04.03.2006 (GN)

Realschüler aus Bad Bentheim pflegen zwei Hektar großes Biotop in Kleinringe

2006_vechteaueWas glaubt ihr, was das wohl ist?" fragt Stefan Hollmann und grinst. In seiner Hand hält der 13-Jährige zwei dunkelgraue Klumpen. Entendreck vielleicht? Stefan schüttelt den Kopf. Den würde er zurzeit nicht anfassen, auch wenn er Schutzhandschuhe trägt – die Vogelgrippe lässt grüßen. "Das ist Gewöll, das eine Eule ausgewürgt hat", sagt er. Die Mitschüler, die sich um ihn herum versammelt haben, verziehen, wie auf Kommando, angeekelt das Gesicht. "Käuzchenkotze" ist nicht gerade das, worauf es die Realschüler aus Bad Bentheim bei ihrem Besuch in Ringe abgesehen haben. Sie sind auf der Suche nach jungen Bäumen, sehr jungen Bäumen sogar. Aus den flachen Teichen der Vechteaue – Naturschützer bezeichnen die im Winter feuchten und im Sommer trockenen Mulden auch als Blänken – ragen dünne Zweige heraus. "Das sind Sämlinge von Weiden und Pappeln. Sie lassen sich jetzt noch relativ leicht aus dem Boden ziehen", berichtet Walter Oppel. Der Lehrer, der auch Kreisvorsitzender des Umweltschutzbundes BUND ist, leitet die Naturschutz-AG der Realschule in Bad Bentheim.

Was zunächst paradox erscheint, – warum soll ausgerechnet in einem Gebiet, in dem sich die Natur frei entwickeln kann, kein Laubholz wachsen? – erweise sich jedoch als logischer Schritt, meint die elfjährige Annika Rott: "Die Bäume würden in den kommenden Jahren zu groß werden und den anderen Pflanzen einfach zu viel Platz wegnehmen." Außerdem würde das rasch wachsende Gehölz den empfindlichen Lebensraum vieler kleiner und großer Wassertiere einschränken. Die Schülerin zupft an einer Pappel, die die Eigenschaften eines Eisbergs zu haben scheint: Der größte Teil schlummert unter Wasser. Das vermeintlich zarte Pflänzchen erweist sich als bockig. Annika stapft mit ihren Gummistiefeln an Land, schnappt sich eine Schippe, kehrt zurück und sagt dem Bäumchen den Kampf an. Ein, zwei beherzte Schaufeltritte später fliegt die Weide mit Schwung ans Ufer – und mit ihr eine mächtige Wurzel. "Wir passen aber schon gut auf, dass wir Binsen und andere Pflanzen nicht versehentlich mit herausziehen", betont Annika. Frösche, Molche oder Kiebitze dürften sich am Frühjahrsputz der Schüler nicht besonders stören, findet Stefan Hollmann: "Im Moment sind noch nicht so viele Tiere hier. Der Winter ist eigentlich eine gute Zeit, um in einem Biotop aufzuräumen." Der 13-Jährige klopft seine dreckverkrustete Jacke grob ab. Auch im Gesicht haben die Äste und Zweige, die Stefan zum Verrotten in ein angrenzendes Waldstück geworfen hat, ihre Spuren hinterlassen, aber das stört den Schüler nicht weiter. Er trottet zurück in die Blänke und zieht die nächsten Sämlinge aus dem Wasser.

Wie sind die kleinen Gehölze überhaupt dorthingekommen? "Auf natürlichem Wege", erklärt Walter Oppel. Anders als Setzlinge, die von Menschen gepflanzt werden, entstünden Sämlinge nämlich aus dem Pollenflug der umstehenden Bäume. "Wenn wir sie nicht herausziehen, hätten seltenere Pflanzen, die zum Wachsen unbeschattete Gewässer benötigen, hier keine Chance mehr", berichtet er. Und für den Erhalt gerade dieser Gewächse seien die nährstoffarmen Böden in der Vechteaue vor zwei Jahren eigens ausgehoben worden.

Es sei das erste Mal, dass die rund zwei Hektar große Fläche in Kleinringe gepflegt werde, sagt Paul Uphaus, einer von zwei Geschäftsführern der Grafschafter Naturschutzstiftung. Er und sein Kollege Bernhard Schoo begleiten die Aktion der Schüler in der bis zu drei Meter tiefen Überschwemmungsfläche, die seit fünf Jahren in der Verantwortung der kreiseigenen Stiftung ist. "Die Gemeinde Ringe hat vor einiger Zeit ein Gewerbegebiet ausgewiesen. Nach dem niedersächsischen Naturschutzgesetz musste sie für die dort verbaute Fläche einen Ausgleich schaffen. Die Gemeinde hat sich dann für diesen Abschnitt der Vechteaue entschieden, der sich schon im Besitz der Stiftung befand", sagt Bernhard Schoo.

Die Schüler aus Bad Bentheim sind das erste Mal in Ringe im Einsatz. Bislang haben sie sich überwiegend um Landschaftsschutzgebiete zwischen Schüttorf, Nordhorn und Gildehaus gekümmert und für Biotope Patenschaften übernommen. "Wir sind zum Beispiel regelmäßig in 'Schlüters Kuhle', einem Sandsteinbruch in Bad Bentheim, unterwegs", sagt Walter Oppel. Auf der Agenda der Naturschutz-AG stehen das Jahr über unter anderem auch die Pflege einer Streuobstwiese bei Samern, Vogelbestimmungen in Suddendorf und Insektenschutz in Engden. In den Sandwänden der Vechteaue in Ringe haben die Schüler außerdem Nistmöglichkeiten für Uferschwalben angelegt. Seit über 25 Jahren beteiligen sich regelmäßig bis zu 30 Kinder und Jugendliche aus der fünften bis zehnten Klasse nachmittags freiwillig am Naturschutz. Im Winter bauen die Schüler im Werkraum Nistkästen für Fledermäuse und Vögel, im Frühjahr geht's dann wieder nach draußen. "In den kommenden Tagen wollen wir, wenn das Wetter mitspielt, in Suddendorf Obstbäume schneiden", fügt Walter Oppel hinzu. Zu den Aufgaben seiner Naturschutz-AG gehört auch Müllsammeln. In Ringe haben die Schüler beispielsweise einen Sack mit Grillresten zusammengetragen und entsorgt. "Das war zum Glück nicht besonders viel", meint Walter Oppel. Die Vechteaue in Ringe befinde sich in einem guten Zustand. Da würden Naturschützer in anderen Orten beim Frühjahrsputz mehr gefordert.

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